Die Kirche als Bildungsinstitution des Mittelalters

Das Mittelalter ist bei vielen als das dunkle Zeitalter bekannt, man denkt vor allem an Rückschritt im Vergleich zur Antike. Die Kirche aber wurde in dieser Zeit mehr und mehr zur Bildungsinstitution. Mit den Vor- und Nachteilen dieser Entwicklung beschäftigte sich Bbr. Hendrik Sievers in der letzten Wissenschaftlichen Sitzung des Sommersemesters.

Dabei umspannte er einen Zeitrahmen von über tausend Jahren, beginnend im Jahr 380 als das Christentum offiziell römische Staatsreligion wurde. Die ersten Klöster entstanden erst nach dem Untergang des weströmischen Kaiserreichs im 6. Jahrhundert, aber zu diesem Zeitpunkt dachte noch niemand an Klosterschulen. Die Grammatik- und Rhetorikschulen, welche in der Antike noch verbreitet waren, gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr und so kam es angesichts fehlender Geistlicher mit der Fähigkeit des Lesens und Schreibens dazu, dass in einigen Klöstern zunächst zum Selbstzweck Junge Novizen, später – zumeist aus finanziellen Gründen – auch Kinder des Adels, unterrichtet wurden. So entstanden im 8. Jahrhundert die ersten Klosterschulen. In Frauenklöstern erhielten dadurch auch Nonnen und vornehme Damen den Zugang zur Bildung. Etwas später entstanden an den katholischen Bischofssitzen größere Domschulen.

Vermittelt wurden damals hauptsächlich die artes liberales. Sie wurden aus der Antike übernommen und auf sieben Grundfächer begrenzt. Diese waren in zwei Gruppen unterteilt. Zum einen dem Trivium, welches Grammatik, Rhetorik und Dialektik/Logik beinhaltet, und zum anderen dem mehr an Domschulen unterrichteten Quadrivium, in welchem sich die Lernenden mit den weiterführenden mathematischen Fächern wie Arithmetik und Geometrie, aber auch mit Musik und Astronomie auseinandersetzten. Neben diesen Grundlagen der Lehre war der Unterricht sehr auf die Theologie ausgerichtet. Der Stoff wurde den Schülern dabei hauptsächlich mit Materialien aus der Antike nähergebracht. Im 9. Jahrhundert kamen noch die artes mechanicae hinzu, welche sich grob unter „Handwerk und Technik“ zusammenfassen lassen. Diese dienten im Unterschied zu den artes liberales zum „unmittelbaren Broterwerb“ und konnten auch von Angehörigen niedrigeren Standes erlernt werden.

Karl der Große bemängelte die schlechte Bildung der Priester und Glaubensläute, er holte Gelehrte an den Hof, die Lehrbücher in einheitlicher Schrift verfassten. Des Weiteren wurde das Papyrus langsam vom Buch oder Kodex verdrängt, sodass die Verbreitung der neuen Lehrschriften einfacher wurde. Im 12. Jahrhundert wurden die ersten Stadtschulen gegründet in denen die Bürger Zugang zu elementarer Bildung erhielten, wodurch das Monopol auf Bildung für die Kirche anfing verloren zu gehen. Ab dem 13. Jahrhundert entstanden dann die ersten Universitäten.

Die Wissenschaftliche Sitzung ging mit der Frage nach dem Für und Wider anschließend direkt in eine Diskussion über, in der festgestellt wurde, dass die Kirche keinen „Bildungsstandard“ wie in der Antike aufbauen konnte. Dies sei vor allem der inhaltlichen „Einbahnstraße“ geschuldet. Dennoch war die Kirche über mehrere Jahrhunderte die einzige Institution die den Fortbestand der Bildung im christlichen Europa sicherte und so die Umgebung für besondere Leistungen von Einzelpersonen schuf.